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Kristallerie Wadgassen


Saarstraße 14
66787 Wadgassen
Saarland
SaarLorLux
Germany
Tel +0049 (0) 06834 - 400240

Webseite >>

Das Objekt

Die Cristallerie Wadgassen bezeugt gleichermaßen Industrie- wie Kulturgeschichte der Region. Zum einen erinnert sie an die Bedeutung und Tradition der Glasindustrie an der Saar. Zum anderen baute man die Kristallfabrik aus den Steinen der einst hier ansässigen Prämonstratenserabtei Wadgassen. 1893 gingen hier noch 500 Arbeiter ans Werk. 1986 wurde die Cristallerie stillgelegt.

Die 1135 gegründete Abtei wuchs zu einem Zentrum der abendländischen Renaissance und war zeitweilig Sitz einer Ordensprovinz, die sich von Oberlothringen über Süddeutschland bis zum Harz erstreckte. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, entstand im 18. Jahrhundert die Abtei mit Wirtschaftsgebäuden und Gärten als Barockanlage neu. Die französischen Revolutionstruppen setzten dem 1792 ein Ende, vertrieben die Mönche, säkularisierten das Kloster und versteigerten Gebäude samt Inventar. 1798 erwarb der Begründer der im nahen Wallerfangen angesiedelten Fayencerie, Nicolas Villeroy das Gelände.

1843 gründeten die Unternehmer Nicolas Villeroy, Jean Francois Boch und Eduard Karcher die eine Cristallerie nach lothringischem Vorbild. Aus der Glasmacherhochburg Lothringen kamen auch die ersten Arbeiter. Wälder, Bundsandsteingebiete und die Hostenbacher Grube lieferten die Rohstoffe. Die Glasfabrik produzierte leichtes böhmisches und schweres französisches Kristall und setzte sich damit erfolgreich von der einheimischen wie lothringischen Konkurrenz ab. Das gelang bis zum Zweiten Weltkrieg. Einfache Formen brachten die Cristallerie durch die Kriegsjahre. Danach gewann sie den deutschen und französischen Markt zurück. 1986 stellte Villeroy & Boch in Wadgassen die Serienproduktion ein.

Schmelzen, Blasen, Schleifen, Bemalen des Glases: hierbei kann der Besucher den Glasbläsern in der „Showglashütte“ zuschauen. Seit 1986/87 führt ein Besucherweg durch die Produktionsstätten, die aus den Ruinen der Abtei entstanden. Ein 2x1 Meter großes Glasmodell bildet die Klosteranlage nach. Hinter den hohen Rundbogenfenstern und auf kreuzförmigen Grundriss der „Alten Fabrik“ finden sich Reste alter Schmelzöfen. Der angrenzende Weiher und eine alte Klostermauer führen tief in die Zeit zurück, als hier noch eine Abtei stand.