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Die Holland Route

Hollands tiefster Punkt liegt sieben Meter unter Meeresniveau. Schon die Römer fragten sich verwundert, ob die Gegend angesichts der ständigen Überflutungsgefahr eher der See oder dem Land zuzurechnen sei. Mittlerweile haben die Holländer den Spieß umgedreht und trotzen dem Meer immer neues Land ab. Allein die Provinz Nordholland besteht zu mehr als der Hälfte aus trockengelegten Gebieten. Zugleich ist die Südprovinz die am dichtesten besiedelte und industrialisierte Region der gesamten Niederlande. Wie es dazu kam, macht jetzt die HollandRoute anschaulich. Sie führt zu den herausragenden Standorten der holländischen Industriegeschichte.

Die verraten neben Einfallsreichtum vor allem Hartnäckigkeit und einen langen Atem – Eigenschaften, auf die es in Holland seit jeher ankommt. Ein Beispiel: Lange Zeit litt der Hafen von Amsterdam darunter, dass er nur über die Zuiderzee, das heutige IJsselmeer, zugänglich war. Also grub man die holländische Halbinsel einmal der Länge nach auf und baute den Noordhollands Canal, der die Nordsee an einer relativ geschützten Stelle bei Den Helder erreichte. Leider wuchsen die Schiffe jedoch schneller als gedacht und passten durch die neue Wasserstraße nicht mehr hindurch. Nun gab es nur noch eine Lösung: den direkten Kanalweg zur Küste - den Nordseekanal. Der war technisch anspruchsvoller, aber dafür kürzer. Die Arbeiten am etwa 21 km langen Kanal begannen 1865 und wurden 1876 beendet. Seitdem liegt Amsterdam ein bisschen näher an der Nordsee.

Was für die Metropole gilt, trifft auch auf das Umland zu: Um zu intelligenten Lösungen zu kommen, war den Holländern kein Aufwand zu hoch. Zurück blieben eindrucksvolle Zeugnisse der Industriekultur. Sie reichen vom vormodernen Wirtschaftszentrum Zaandam und dem einzigartigen Schöpfwerk De Cruquius über stetig gewachsene Fabrikanlagen wie die Westergasfabrik oder das Verkade-Werk bis zu komplexen Industrieanlagen wie Sugar City.