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Neue Regionale Route in Polen schließt sich dem ERIH Netzwerk an
Die Woiwodschaft Schlesien ist eine weitere Adresse auf der Europäischen Route der Industriekultur....
Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ist eröffnet
Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas 2010.
Reusing Industrial Heritage TICCIH Conference - Call for Papers läuft bis 16. November 2009
TICCIH hat seine erste gemeinsame Konferenz mit ICOHTEC (The International Committee for the...
Regionale Route Saar-Lor-Lux
Grenzen haben die Region entlang der Saar, Lothringen und Luxemburg über die Jahrhunderte bewegt und nachhaltig geprägt. Grenzverläufe wechselten nach Kriegen, wo heute zwei Bindestriche die Großregion „Saar-Lor-Lux" mühelos verbinden. Dabei galt, ohne die lothringische Minette kein Stahl an der Saar. Untertage galten diese Grenzen nicht. Eisenerz lagerte im Südwesten Luxemburgs und schob sich in Richtung Nancy hinab. Kohleflöze dehnten sich über die bayrischen wie preußischen Anteile am Saarrevier aus. Ein weltweiter Rohstoffmarkt bedeutete später das Ende für Erz und Stahl der Großregion. Doch die gemeinsame Industriegeschichte und eine allgegenwärtige Industriekultur bleiben. Eisenerz, Kohle und Stahl gehören zusammen wie das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, das Musée de la Mine in Petite Rosselle und der Industrie- und Eisenbahnpark im luxemburgischen Fond-de-Gras.
Natürliche wie politische Grenzen forderten heraus. Der Rischbachstollen in St. Ingbert wurde zum unterirdischen Transportweg ausgebaut, weil die Fahrt über eine steile Straße gefährlich wie teuer war und der grenznahe preußische Teil des Reviers nicht beliefert werden durfte. Ein Stahltrog für Schiffe beim Aufzug in Saint-Louis/Arzviller im Rhein-Marne-Kanal ersetzte eine Kette von Schleusen. Hingegen war es mit dem Salzabbau in Marsal vorbei, als Militärbaumeister Vauban im Auftrag Ludwig XIV. 1699 die Stadt zur Festung umbaute. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 sorgte für weitere Grenzverschiebungen, so dass der Glashändler Emil Gallé zwar im ehemals lothringischen, nun aber deutschen Glasmacherdorf Meisenthal fertigen ließ, aber ganz Patriot „Nancy" auf seine Vasen und Schalen stempeln ließ.
Grenzen zu überschreiten hieß im Industriezeitalter immer auch die Pflicht zum Superlativ und zur Höchstleistung: Der erste, 1883 in der Völklinger Hütte errichtete Hochofen war der größte im Saarrevier. 1890 stand hier das größte Trägerwalzwerk im Kaiserreich. Das Bergwerk Petite Rosselle war nach 1945 mit vier Schachtlangen einer der größten Standorte der französischen Schwerindustrie. Fast 100 Meter hoch und 1200 Meter tief führt der Schacht IV, der „weiße Riese", des ehemaligen Bergwerks Göttelborn, ohne je seine Kraft zu entfalten. Wie eh und je treibt Wasserkraft die Turbine die Maschinen der Feinmechanischen Werkstatt der Fellenbergmühle in Merzig an.
So sehr die Natur mit ihren Bodenschätzen politische Grenzen missachtete, so sehr bestimmten strenge Standesgrenzen die Industriekultur der Saar-Lor-Lux-Region. Die Architektur der Arbeitersiedlungen bildet die soziale Hierarchie im Reich der Hüttenbarone zwischen Herrenhaus und Schlafhaus, Arbeiterhaus und Direktorenvilla ab. Bis in die Arbeitwelt hinein zogen sich diese Grenzen, wie die Gebäudeaufteilung im ehemaligen Bergwerk Velsen zeigt. Dort wurde sogar nach Konfessionen, Familienstand und Rang getrennt sich gewaschen und gegessen.
Industriekultur heißt, Grenzen zur Vergangenheit, zu anderen Ländern zu überschreiten. Dazu laden Museen und Erlebnisorte in der Region Saar-Lor-Lux laden ein, indem sie die Geschichte von Kohle, Eisenerz, Stahl, aber auch von Glas, Keramik und Salz und ihrer Verarbeitung erzählen und an eine vergangene Zeit erinnern.





