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Erfolgreiche ERIH Jahreskonferenz in Kattowitz / Polen

Die Vorträge zum Thema „Industriekultur und Web 2.0“ beleuchteten das Thema von verschiedenen Seiten und gaben zahlreiche Beispiele, wie die neuen Medien zur Vermarktung der Industriekultur eingesetzt werden können.


Frank Welgemoed, der Webmaster der niederländische ERIH Webseite und selbständiger Webdesigner, räumte in seinem Einleitungsvortrag mit gängigen Vorurteilen und Ängsten auf. Viele hätten bereits das Gefühl, „den Zug verpasst zu haben“ und setzten deshalb schnell auf Einzelaktionen, ohne ein stimmiges Gesamtkonzept für den Einsatz neuer Medien zu haben. Er warnte vor Schnellschüssen und empfahl zunächst, den eigenen Bedarf, Zielsetzung und Zielgruppen und die finanziellen und personellen Möglichkeiten genau zu prüfen.

René Adrian, von der Agentur xmrnet web & design, stellte die unterschiedlichen Sozialen Netzwerke und ihre jeweiligen Zielgruppen vor. Als Beispiel für eine interaktive Anwendung präsentierte er ein Projekt der katholischen Kirche zur Planung von Routen und Touren entlang der Kirchen im Rheinland / Deutschland.

Lukasz Gawel von der Universität Krakau, beleuchtete den Einsatz neuer Technologien im Vergleich zu alter Technik. Er sah viele Potenziale der neuen Medien, wies aber gleichzeitig auf die Gefahren der virtuellen Welt hin. Am Beispiel der Schlesischen Route der Technikdenkmäler, machte er deutlich, wie wichtig nicht nur die virtuelle, sondern auch reale Vernetzung der Standorte ist.

Dr. Adam Hajduga von der Woiwodschaft Schlesien berichtete über die zur diesjährigen INDUSTRIADA, einer zum zweiten Mal durchgeführten Veranstaltung auf der Route der Technikdenkmäler, eingesetzten Social Media und ihre Effekte vor.

Auch Jessica Lehmann von der Ruhrtourismus GmbH zeigte wie die ExtraSchicht im Ruhrgebiet mittels Social Media vermarktet wird und wie wichtig diese bei der Ansprache insbesondere der jüngeren  Zielgruppen ist.
Barry Quest (UK) stellte eine in der Entwicklung befindliche Webseite vor, die weniger bekannte Standorte und Geheimtipps rund um die Industriekultur in Großbritannien vermarkten soll. Das Konzept basiert unter anderem darauf, dass interaktive Nutzer weitere Standorte benennen und somit die Seite mit Inhalten füllen.

Peter Ros vom Projektbüro New Dutch Waterline (NL) stellte gemeinsam mit Caroliene Steltenpool von der Agentur Vellekoop & Meesters eine neue Veranstaltungsplattform für die New Dutch Waterline, eine ca. 85 km lange Wehranlage in den Niederlanden vor, die im Rahmen des INTERREG Projektes MANAGE+ entwickelt wird.  Ziel der Plattform ist es, dass Nutzer ihre Veranstaltungsdaten nur einmal einpflegen und diese Infos mittels „Push-Agents“ an unterschiedliche Plattformen gegeben werden. Gleichzeitig bietet die Plattform ein Expertenforum zum Erfahrungsaustausch.

Paul Gilman, Essex County Council, stellte einen „Mobile Explorer“ vor, mit dem man rund um eine ehemalige Wehranlage „The Coalhouse und die BATA-Schuhfabrik, East Tilbury, virtuelle Touren über Smartphones abrufen kann. Dies ist besonders interessant für Standorte, die nicht durchgehend für Besucher geöffnet sind. Um Inhalte für die Touren zu bekommen, veranstalteten die Projektentwickler Workshops für die Bevölkerung und arbeiteten mit zwei lokalen Schulen zusammen. Der Einsatz des Mobile Explorers an anderen Standorten ist geplant.

Aktuelle Trends wie „Geocaching“, eine Art moderne Schatzsuche in und um Industriedenkmäler und „Augmented reality“ stellte Dr. Wolfgang Ebert (DE) in seinem Beitrag vor. Mit Augmented reality können Orte mit Handy oder der Digitalkamera fotografiert werden und die Bildern liefern dem Betrachter sofort Informationen über Name, Geschichte etc. Auch Animationen von geplanten Restaurationen können so vermittelt werden. Ebert wies eindringlich darauf hin, dass neue Medien und soziale Netzwerke unabdingbar sind, um insbesondere jüngere Zielgruppen anzusprechen.

Zusammenfassung
Alle Experten waren sich einig, dass Web 2.0 und die neuen Medien große Chancen für die Vermarktung der Industriekultur darstellen. Zum einen lässt sich (relativ kostengünstig) eine Vielzahl von Interessenten erreichen, die auch weiter als Multiplikatoren für konkrete Angebote werben. Zum anderen können durch virtuelle Touren, augmented reality und andere Techniken Interpretation an und um die Standorte stattfinden, selbst wenn diese nicht (ständig) zugänglich sind oder noch nicht (vollständig) restauriert sind.
Dennoch empfahlen die Experten nicht vorschnell auf diese technischen Entwicklungen zu setzen, sondern den eigenen Bedarf, die Ziele und Zielgruppen im Vorfeld genau zu analysieren. Wichtig sei auch eine realistische Einschätzung der vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen an den Standorten. Gerade soziale Netzwerke und Blogs erfordern kontinuierliche (tägliche) Pflege, sonst sind sie nicht aktuell und damit keine Werbung. Daraus sollte ein Gesamtkonzept mit realistischer Zeit- und Ressourcenplanung zum Einsatz neuer Medien entstehen.
Ein gänzlicher Verzicht auf neue Medien ist nicht empfehlenswert, denn er bedeutet den Verlust großer Zielgruppen, insbesondere jüngere Leute werden über die klassischen Medien oft nicht mehr erreicht. Es lohnt sich also auf den Trend zu setzen, jedoch mit Augenmaß und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.




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